1993 - 1998 Präsident: Dirk Ahlers
Nach 2 Jahren Amtszeit wählten die Mitglieder des Bundesmarktverbandes am 28.1.1993 erneut Herrn Dirk Ahlers zum neuen Präsidenten des Bundesmarktverbandes. In seiner Antrittsrede erklärte Herr Ahlers, dass dem Bundesmarktverband die zentrale Aufgabe obliegt, die gesamte deutsche Fischwirtschaft einheitlich gegenüber der Öffentlichkeit darzustellen und ihre Anliegen in Bonn und Brüssel gebührend zu vertreten.

Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben, dem Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Behörden der EG in fischwirtschaftlichen Angelegenheiten zu beraten, haben die Mitgliedsverbände des Bundesmarktverbandes auf Vorschlag ihres Präsidenten Ahlers die Grundsatzerklärung aus dem Jahr 1984 mit dem Titel „Vorstellungen des Bundesmarktverbandes zu einer deutschen Fischwirtschaftspolitik“ überarbeitet und verabschiedet.

Die Mitglieder des Bundesmarktverbandes haben sich dabei auf folgende wichtige Ziele des Bundesmarktverbandes geeinigt:

  • Regeneration und Erhalt der Fischbestände;
  • Sicherung ausreichender Fangquoten für die deutsche Fischerei;
  • Sicherung der Rohwarenversorgung für Verarbeitung und Handel
    in Deutschland;
  • Verbesserung und Sicherung der Qualität;
  • für faire Wettbewerbsbedingungen auf nationaler und
    internationaler Ebene.

Am 23.6.1993 übergab der Präsident des Bundesmarktverbandes in Bonn dem Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert und dem Staatssekretär Dr. Josef Feiter die Grundsatzerklärung und erläuterte deren Inhalt. Landwirtschaftsminister Borchert stellte eine breite Übereinstimmung zwischen den Zielen der deutschen Fischwirtschaft und denen der Bundesregierung fest.

Am 29.6.1993 erhielten die Mitglieder des Unterausschusses Fischerei des Europäischen Parlaments eine Stellungnahme zur Entschließung des Europäischen Parlaments zur Krise des Marktes für Fischereierzeugnisse. Bei dieser Gelegenheit wies der Präsident des Bundesmarktverbandes auf die sozialen Folgen einer restriktiven EG-Einfuhrpolitik für Fischereierzeugnisse hin, die das Europäische Parlament bei seiner Entschließung nicht berücksichtigt hatte und hob hervor, dass durch weitere Einfuhrrestriktionen in der EG-Fischverarbeitungsindustrie mehr Arbeitsplätze vernichtet werden, als die EG-Fischerei selbst bei optimistischen Annahmen erhalten könnte. Die Probleme der Fischerei resultierten im wesentlichen aus zu geringen Fangquoten für Seelachs und Kabeljau, die zum Teil ein Ergebnis der erheblich überfischten Küstenfanggründe sind.

Kontrovers endete am 13.7.1993 eine Diskussion über die Vermarktung von Seelachs aus Fängen der deutschen Kutterfischerei mit Fischern, Politikern und dem Präsidenten des Bundesmarktverbandes im Rahmen einer TV-Sendung. Erneut trat der Präsident des Bundesmarktverbandes den Vorwürfen von Dumpinglieferungen ausländischer Lieferanten entgegen und wies darauf hin, dass strukturelle Probleme, nämlich Überfischung infolge von Flottenüberkapazitäten und hohe Produktionskosten für die gegenwärtige Krise der Fischer verantwortlich sind. Herr Ahlers machte darüber hinaus auf bisher noch nicht genutzte Reserven einer effizienten Vermarktung durch die Fischer aufmerksam.

Außerordentlichen Verwaltungsaufwand und eine schwere Kostenlawine verursachten zahlreiche Rechtsvorschriften der EG im Rahmen der Binnenmarktharmonisierung im Bereich der EG-Hygiene- und Einfuhrregelungen von Fisch und Fischerzeugnissen aus Drittländern. Erst im Laufe des Jahres 1993 legte die Bundesregierung den Entwurf einer Fischhygiene-Verordnung vor, die zur Umsetzung der Richtlinie des Rates zur Festlegung von Hygienevorschriften für die Erzeugung und Vermarktung von Fischereierzeugnissen bereits zum 1.1.1993 hätte in Kraft treten sollen. Der vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Entwurf der Fischhygiene-Verordnung, der die Fisch-Verordnung vom 8.8.1988 ersetzen wird, hatte nicht in sämtlichen Punkten die Zustimmung der Fischwirtschaft gefunden.

Nach dem plötzlichen Ausscheiden des bisherigen Geschäftsführers des Fischwirtschaftlichen Marketing-Instituts leiteten die Geschäftsführer des Bundesmarktverbandes Herren Folkert Marr und Dr. Matthias Keller für die Dauer von 10 Monaten kommissarisch die Geschäfte des Fischwirtschaftlichen Marketing-Instituts. Neben der Aufrechterhaltung des laufenden Geschäftsbetriebes hat die kommissarische Geschäftsführung dem FIMA-Vorstand das Arbeitsprogramm „Konzeptionelle Ausrichtung der FIMA-Arbeit 1994 – 1996“ am 13. Juni 1993 vorgelegt, das einstimmig vom Vorstand beschlossen wurde und die Ziele des FIMA für die Jahre 1994 – 1996 darlegte.

Die kommissarische Geschäftsführung hat weiterhin zur finanziellen Stärkung und Absicherung des FIMA-Etats Zuschussanträge über das Bundeslandwirtschaftsministerium bei der EG-Kommission in Brüssel eingereicht und noch im gleichen Jahr Zuschüsse in Höhe von 1,2 Mio. DM zur Intensivierung der Absatzförderung von Hering und Weißfisch für 1994 erhalten.

Berichte über den Fang von Pilotwalen (Färöer) und den Beginn der Minkewaljagd (Norwegen) führten zu öffentlichen Protesten der Umweltschutz- und Tierschutzorganisationen. Teilweise haben diese Organisationen von den angeschriebenen Unternehmen der Fischwirtschaft Boykottmaßnahmen gegen norwegische bzw. färöische Lieferanten gefordert. Der Bundesmarktverband hat in einer Pressemitteilung zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs durch Norwegen folgendes verlautbaren lassen:

„Die deutsche Fischwirtschaft zeigt kein Verständnis für die aktuelle Entscheidung der norwegischen Regierung, aus kommerziellen Gründen den Walfang wieder zu erlauben. Mit der Aufnahme des gewerblichen Walfangs bricht Norwegen nicht nur die jüngsten Beschlüsse der Internationalen Walfangkommission. Die Entscheidung der norwegischen Regierung wird die anstehenden Beitrittsverhandlungen zwischen Norwegen und der EG voraussichtlich belasten.

Die deutsche Fischwirtschaft hat bereits seit längerem ihre Fischrohstofflieferanten in Norwegen aufgefordert, den kommerziellen Walfang solange ruhen zu lassen, bis internationale Vereinbarungen bestehen. Viele Lieferanten haben entsprechend bei ihrer Regierung interveniert. Die deutsche Fischwirtschaft wird keine Fischrohstoffe von Unternehmen kaufen, die direkt oder indirekt am Walfang beteiligt sind oder Walprodukte handeln. Dies kann insgesamt zu einer Reduzierung der Fischrohstofflieferungen aus Norwegen führen.“

Anfang der 90er Jahre besagten Meldungen der Welternährungsorganisation (FAO), dass ein Großteil der weltweiten Fischbestände übernutzt, überfischt oder völlig zusammengebrochen war. Kriegerische Auseinandersetzungen über den Zugang zu wertvollen Fanggründen haben dem Thema „Verfügbarkeit von Fisch“ in der öffentlichen Diskussion zusätzlich zu großer anhaltender Aufmerksamkeit verholfen.

Im Bundesmarktverband der Fischwirtschaft wurde mit der Initiative „Bestandserhaltende Fischerei“ 1995 ein wichtiges Diskussionsforum gegründet. Darüber hinaus gaben viele Unternehmen freiwillig über Fangmethode und Herkunft der Fische bei der Vermarktung Auskunft. Mit der Gründung des „Marine Stewardship Council (MSC) – Rat zur Bewahrung der Meere“ ermöglichten das Unternehmen Unilever und der WWF (World Wide Fund for Nature) im Jahre 1996 eine weltweite Verbreitung des Gedankens der Förderung einer bestandserhaltenden Fischerei. Im Jahre 2001 folgte die Europäische Gemeinschaft im Rahmen der neuen Fischmarktordnung ebenfalls dieser Transparenz-Initiative der deutschen Fischwirtschaft und führte verbindlich ein, dass dem Verbraucher ab dem Jahr 2002 Fischart, Produktionsmethode und Fanggebiet beim Einkauf zahlreicher Fische und Fischereierzeugnisse bekannt gegeben werden muss.

Die PR- und Marketingaktivitäten der Unternehmen der deutschen Fischwirtschaft wurden bis 1996 vom firmen- und branchenübergreifenden „Fischwirtschaftlichen Marketing-Institut“ (FIMA), mit Sitz in Bremerhaven, unterstützt. Grundlage für die Finanzierung des Instituts bildeten nationale Vorschriften (zuletzt das Fischwirtschaftsgesetz). Der Bundesmarktverband schlug 1995 dem Bundesernährungsminister die Aufhebung des Fischwirtschaftsgesetzes vor. Diese Entscheidung erfolgte allerdings nicht unumstritten! Am 31.12.1996 stellt FIMA die Arbeit ein, da das Ministerium ab 1997 keine finanziellen Mittel zur Durchführung der Absatzförderung zur Verfügung stellte und zum 31.12.1997 das Fischwirtschaftsgesetz auslief.

Als neues PR-Organ der Fischwirtschaft wurde am 16.7.1997 unter maßgeblicher Beteiligung der Verbände des Bundesmarktverbandes das Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) mit Sitz in Hamburg gegründet. Kernaufgaben des privatrechtlichen Vereins werden aus freiwilligen Beiträgen finanziert. Im ersten Jahr standen dem FIZ Entgelte für Öffentlichkeitsarbeit in Höhe von 120.000 DM sowie aus Restmitteln des ehemaligen Fischwirtschaftsgesetzes in Höhe von 270.000 DM zur Verfügung.

Hauptaufgabe des FIZ ist es, im Zeitalter der Kommunikationsgesellschaft interessante Fischthemen mediengerecht zu kommunizieren. Das Informationsspektrum reicht dabei von Informationen über die Herkunft und Produktions- bzw. Fangmethoden der Fische, über Gesundheits- und Nährwertaspekte bis hin zu Zubereitungshinweisen. Über das Internet (www.fischinfo.de) ist das Angebot des Fisch-Informationszentrums e.V. rund um die Uhr erreichbar.



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